WiWi-LK Mindmap Q3
WiWi-LK Q3 · Kursarbeit Fr 30.10.2026

Globalisierung & Außenhandel

Alle Unterlagen aus dem Kurs, nach den Themen der Kursarbeit geordnet. Klick auf einen Ast in der Übersicht springt zum Detail. Mit „+“ klappst du die Zweige auf.

WichtigKlausurthemaHintergrund

Übersicht: Zentrum → 7 Hauptäste → Unterthemen. Am Handy seitlich wischen.

1

Globalisierung: Merkmale, Akteure, Ursachen

Klausurthema

Grundlage für alles andere. Typischer Klausureinstieg: „Erläutern Sie Ursachen und Merkmale …“

Begriff & Dimensionen
Globalisierung: zunehmende weltweite Verflechtung von Volkswirtschaften (Waren, Dienstleistungen, Kapital, Wissen, Menschen). Unterrichtstitel: „Von der europäischen Volkswirtschaft zur Weltwirtschaft“.
  • 4 Dimensionen (Themenplan Q3): ökonomisch, gesellschaftlich, politisch, ökologisch → genau diese Perspektiven auch bei Chancen/Risiken nutzen
  • Einstieg im Unterricht: Bildauswahl „Welches Bild zeigt den internationalen Handel am besten?“ (Schuhe, Steg, Brücke, Auto, Erde, Armdrücken, Tiger, Achterbahn, Pusteblume …) → Globalisierung als Chance, Wettkampf, Risiko, Vernetzung
UrsachenWichtig
1. Technologische Entwicklung
  • Wichtigste Voraussetzung und Triebkraft: neue Technologien in Kommunikation, Information, Transport
  • Internet = Sinnbild der Globalisierung; ohne Internet keine Finanzmärkte mit sekundenschnellen Geldverschiebungen
  • Datennetze, Satellitenkommunikation, computergestützte Logistik, moderne Verkehrsmittel → Unternehmen können Produktion und Absatz räumlich trennen, günstigste Standorte wählen, weltweit koordinieren
2. Sinkende Transportkosten
  • Transportkosten für Güter und Informationen sind schneller gesunken als die Produktionskosten → internationaler Austausch lohnt sich
  • Hängen eng an den Energiepreisen
  • Externe Kosten (Umwelt, Ressourcen) nicht eingepreist; mit „ökologischer Wahrheit“ wäre die Globalisierung langsamer
  • Software, Datenbanken, Dienstleistungen in Sekunden über Datenleitungen
3. Liberalisierung des Welthandels
  • Abbau politischer Handelshemmnisse; Leitbild weltweite Marktwirtschaft („neoliberal“)
  • Abbau von Zöllen, Mengenbeschränkungen, nicht-tarifären Hemmnissen im Rahmen von WTO und regionalen Wirtschaftsräumen (EU)
  • Zunehmende Integration der Entwicklungsländer
  • Ende des Kalten Krieges: Ostblock wird marktwirtschaftlich; China tritt in den Welthandel ein und öffnet sich für Güter und Kapital
  • Deregulierung (= weniger staatliche Eingriffe) und Privatisierung (Telekom, Energie, Verkehr, Banken, Versicherungen) → mehr Wettbewerb, mehr Arbeitsteilung
MerkmaleWichtig
Drei Kennzeichen: Welthandel wächst stärker als Weltproduktion · Direktinvestitionen wachsen schneller als Handelsströme · internationale Finanzströme wachsen noch stärker als Direktinvestitionen.
Welthandel
  • Index 1950 = 100: Exporte 2020 ≈ 3.984, Weltwirtschaftsleistung nur ≈ 1.107 → Exporte seit 1950 preisbereinigt mehr als 39-fach; Einbrüche: Finanzkrise 2009, Corona 2020
  • Strukturwandel: mehr Handel mit branchengleichen Fertigwaren (VW nach Frankreich, Renault nach Deutschland = intraindustrieller Handel → Krugman) und Handel innerhalb multinationaler Konzerne
  • 75 % der Weltexporte aus Industrieländern, die nur 15 % der Weltbevölkerung stellen
  • Entwicklungsländer: geringer Anteil, u. a. weil Industrieländer ihre Landwirtschaft mit Zöllen und Subventionen abschotten (Agrarprodukte = Hauptexport der EL)
  • Triade: EU – ASEAN-Raum/Ostasien (Japan, Tigerstaaten, China) – USA
  • Handelsströme 2021 (Mrd. $): innerhalb Asien/Ozeanien 6.140, innerhalb Europa 5.529, Nordamerika 686, Afrika 71; 2023: Europa 5.909, Asien 6.329
  • Waren des Welthandels 2016: Maschinen/Fahrzeuge vorn, dann EDV/Telekom, Nahrungsmittel, Energierohstoffe
Direktinvestitionen (DI)
Direktinvestitionen: Kapitalanlagen von Inländern im Ausland in Form von Zweigwerken, Auslandsniederlassungen und Beteiligungen an ausländischen Unternehmen.
  • Wachsen seit Längerem schneller als Güterexporte; fließen v. a. zwischen Industrieländern, meist durch multinationale Unternehmen
  • Bestand deutscher DI Ende 2021: 1.506 Mrd. € – USA 319, Niederlande 216, Luxemburg 208 (steuerlich, Finanzindustrie), China 96, GB 74
  • Deutsche Unternehmen im Ausland: ca. 36.200 Unternehmen, 7 Mio. Beschäftigte; ausländische in D: ca. 16.350, 3 Mio. Beschäftigte
  • Größte Anteile: Automobil, Chemie; Osteuropa (CZ, HU, PL) relativ gering
MotivInhalt
BeschaffungRohstoffe und Vorleistungen in die eigene Wertschöpfungskette einbinden
AbsatzNähe zu Kunden, Produktion/Vertrieb im Auslandsmarkt
Umgehung von HandelsbeschränkungenZölle, Mengenbeschränkungen, Wechselkursrisiken (z. B. Abwertung des US-$) umgehen
Kostengünstigere Lohnkosten, Steuern; Verlagerung einzelner Produktionsstufen
AkteureWichtig
Multinationale Unternehmen (Global Player) = Hauptakteure
Multinational: in mehreren Ländern wirtschaftlich tätig mit eigenen Produktionsstätten; meist durch Kapitalbeteiligungen verflochten (Konzerne).
  • Größtes Unternehmen 2022: Walmart (USA) mit 573 Mrd. $ Umsatz ≈ BIP Belgiens; VW auf Platz 8; von den Top 25: 10 USA, 7 China
  • Erschließen größere Absatzmärkte und Kostenvorteile durch Standortwahl: niedrige Arbeits-, Rohstoff-, Energie-, Transportkosten und Steuern; wenig Umwelt-, Arbeits-, Sozialauflagen
  • Zerlegen Produkte in Einzelteile → globale Wertschöpfungskette; können Länder gegeneinander ausspielen → weniger abhängig von einzelnen Regierungen
  • Bestreiten ca. 2/3 des Welthandels, davon die Hälfte konzernintern (Mutter ↔ Töchter)

Positive Effekte

  • bessere internationale Arbeitsteilung
  • Verbreitung von Know-how
  • Ausweitung des Welthandels → Fortschritt, Wohlstand

Bedenken

  • Machtkonzentration, politische Einflussnahme
  • Steuerflucht, Wettbewerbsverzerrung
  • zu wenig öffentliche Kontrolle (keine internationale Wettbewerbsbehörde)
  • Lohn-, Sozial- und Umweltdumping
Steuertricks: Steuerliche Abschirmung – Gewinne bleiben bei der Tochter im Niedrigsteuerland, Mutter bekommt Darlehen statt Gewinnabführung. Transferpreise – Tochter im Hochsteuerland zahlt überhöhte Preise (v. a. Dienstleistungen, Patente, Lizenzen) an Tochter im Niedrigsteuerland → Verluste hier, Gewinne dort.
Staaten / Regierungen
  • Setzen Handelspolitik (Freihandel ↔ Protektionismus, siehe Ast 5), konkurrieren im Standortwettbewerb
  • Verlieren Spielraum: „doppelte Wählerschaft“ (Bürger + ausländische Investoren), siehe Ast 2
Internationale Organisationen (IWF, WTO, Weltbank)
  • Treiben Freihandel und Öffnung der Finanz- und Gütermärkte voran, auch in Entwicklungsländern
  • Kritik: dienen vorrangig Interessen der Industrieländer, reformbedürftig
  • Stiglitz („Die Schatten der Globalisierung“, 2002): keine Weltregierung; wenige Institutionen und Akteure (Finanz-, Wirtschafts-, Handelsminister der IL) bestimmen, Betroffene haben kein Mitspracherecht
  • WTO 2005 Hongkong: Exportsubventionen für Agrar bis 2013 abschaffen; EU und USA schotten Agrarmärkte trotzdem ab (Karikatur „Zollschranken“ Wolf/Schaf)
  • „Agrar-Wahnsinn“ (Spiegel 2017): EU zahlt 55 Mrd. €/Jahr Agrarsubventionen ≈ 40 % des EU-Budgets (GAP seit 1957); Förderung nach Fläche → 80 % der kleinsten Höfe bekommen nur 25 % der Direktzahlungen; Butterberge verschwunden, aber Großbetriebe profitieren
  • Details zu den Organisationen: Ast 6 (Hintergrund)
Weitere AkteureHintergrund
  • G7/G8 (seit 1975), G20 (seit 1999), OECD, BIZ, Financial Stability Board, NGOs
Fallbeispiel: Ein iPhone geht um die Welt

Begriffe aus der Aufgabe: Spezialisierung, Kostenvorteil, Rohstoffe, Know-how, Lohnkosten

StationLandWarum hier?ChanceHerausforderung
Design & EntwicklungUSA (Cupertino)Know-how, Kapital, Silicon Valley~46 % des Verkaufspreises bleiben bei Applekaum eigene Fertigung, abhängig vom Netzwerk
RohstoffabbauDR KongoKobalt: ~76 % der Weltreserven → Geologie entscheidetExporteinnahmen, Jobs im BergbauWertschöpfung im Ausland, Kinderarbeit
ChipproduktionTaiwan (TSMC)jahrzehntelange Spezialisierung, einziger Herstellerhohe Wertschöpfunggeopolitisches Risiko (China)
Montage 1China (Zhengzhou)niedrige Löhne, riesige Kapazität; Foxconn mobilisiert 200.000 ArbeiterMillionen Jobsniedrige Marge, harte Arbeit, Verlagerungsrisiko
Montage 2Indiennoch niedrigere Löhne, politisch stabiler, weniger China-Abhängigkeit100.000 neue Jobs71 % der Bauteile weiter aus China
Konsum/RegulierungDeutschland/EUEU setzt globale Standards (Recht auf Reparatur)günstige Produkte, VerbraucherrechteVerantwortung ausgelagert
ElektroschrottGhana (Accra)schwache Kontrollen, billige Arbeitinformelles EinkommenGesundheit, Umwelt, kein Rechtsschutz
Warum kein „iPhone made in USA“? (Trump-Zölle)
  • Hochkomplexe Lieferketten seit den 1990ern in China; neue Fabriken = Jahre + Milliarden → hohe Opportunitätskosten
  • Preis würde sich etwa verdreifachen (1.000 $ → über 3.000 $, Analyst Dan Ives: „Ding der Unmöglichkeit“) → Absatz bricht ein
  • Rohstoffe aus 79 Ländern, ca. 200 Schmelz- und Raffineriebetriebe
  • Tim Cook: nicht niedrige Löhne, sondern spezialisierte Fertigungskompetenz entscheidet; Fachkräfte und Werkzeugingenieure fehlen in den USA
  • Apple reagiert mit Verlagerung nach Indien/Vietnam und symbolischen Zusagen (500 Mrd. $ Investitionen, KI-Rechenzentrum Houston) statt US-Produktion
  • Gefahr einer protektionistischen Spirale; kurzfristig profitiert nur der Staat (Zolleinnahmen), langfristig Ineffizienz
Welche Faktoren steuern Lieferketten-Entscheidungen? Kosteneffizienz · globale Rohstoffstruktur · spezialisiertes Know-how/Fachkräfte · Planbarkeit der Politik · Steuern, Zölle, Infrastruktur, Logistik, Bürokratie, Arbeitsbedingungen, Image · Pfadabhängigkeit (bestehende Netzwerke)
2

Folgen der Globalisierung

Klausurthema

Wohlstand, Beschäftigung, Standortwettbewerb. Immer nach Gewinnern und Verlierern fragen.

Wohlstand: Zuwächse und VerlusteWichtig
  • Theorie: Arbeitsteilung → bessere Güterversorgung, Wohlstandssteigerung (siehe Außenhandelstheorien)
  • Realität: Wohlstandszuwächse sind ungleich verteilt, teils Verluste in einzelnen Ländern und Bevölkerungsgruppen
UNDP-Berichte zur menschlichen Entwicklung
  • 1999: Reichtum für die, die Vorteile nutzen; ca. 85 Länder schlechter als vor 10 Jahren; Forschung richtet sich nach Gewinn statt Bedarf (Kosmetik vor Malaria-Impfstoff) → mehr politische Steuerung nötig
  • 2003: Spaltung in Gewinner (Ost-/Südostasien, Pazifik, Teile Lateinamerikas) und Verlierer (große Teile Afrikas); 46 Staaten ärmer als 1990; in China/Indien ca. 200 Mio. weniger absolut Arme (<1 $/Tag)
  • 2010: Lebenserwartung in Entwicklungsländern 1970–2010 von 59 auf 70 Jahre; Alphabetisierung +61 %, Primarschulbesuch +26 %; Schere arm/reich größer (Pro-Kopf-Einkommen IL +2,3 %, EL +1,5 %); Finanzkrise: 64 Mio. zusätzlich unter 1,25 $; mehrdimensionale Armut: 1,7 Mrd. Menschen
  • 2018: Menschen leben länger, besser gebildet; aber große Ungleichheit (u. a. Frauen/Männer), Klimawandel bedroht Fortschritte → nachhaltige Produktions- und Konsummuster nötig
Elefantengrafik (Milanović)Hintergrund
  • 1988–2008: Elefantenform: Buckel = ärmere 2/3 der Welt (v. a. Asien) mit starkem Einkommenswachstum; Tal (Perzentil ~75–90) = Unter-/Mittelschicht der reichen Länder stagniert; Rüssel = reichste 1 % gewinnt stark
  • 2008–2018: fast gerade fallende Linie: Ärmste profitieren am meisten, Reichste kaum (Finanzkrise)
  • China hat inzwischen mehr Menschen unter den reichsten 5 % der Welt als Deutschland; Reiche fast zur Hälfte aus USA und China
  • Mittelschicht reicher Länder verliert relative Position → Unzufriedenheit; erklärt Teil der Rivalität USA–China
Globalisierung und BeschäftigungWichtig
  • Mehr Wettbewerb auf Güter- und Kapitalmärkten → Strukturwandel, auch auf Arbeitsmärkten
  • Integration von Schwellen-/Entwicklungsländern erhöht weltweites Arbeitskräfteangebot → arbeitsintensive Produktion wandert dorthin (Faktorproportionentheorie)
  • Industrieländer: Abbau von Jobs v. a. für gering Qualifizierte, Lohndruck, Druck auf Sozialleistungen (Lohnnebenkosten)
  • Aber: Verlagerung kann Jobs sichern (z. B. Autoteile im Niedriglohnland → Endprodukt in D billiger → mehr Export)
  • Auch qualifizierte Arbeit unter Konkurrenz (indischer Informatiker arbeitet per Internet für US-/EU-Firmen)
  • Fazit Buch: Einkommens- und Jobverluste für gering Qualifizierte in IL; Beschäftigungs- und Einkommenszuwachs in Niedriglohnländern
Outsourcing: Vor- und NachteileWichtig
Outsourcing: Abgabe von Unternehmensaufgaben an Drittunternehmen (Zulieferer, Dienstleister); Verlagerung in Niedriglohnländer = Offshoring. Beispiel: Softwareentwicklung extern, Kostenersparnis teils über 50 % (Pakistan, Indien, Ukraine).

Vorteile

  • Kostensenkung (Lohn-, Lohnnebenkosten)
  • Fachwissen externer Anbieter; gegen Fachkräftemangel
  • Effizienz, Konzentration auf Kernkompetenz → Qualität
  • Fixkosten werden variable Kosten; keine eigenen Investitionen in Anlagen
  • Risikoübertragung auf Dienstleister
  • ggf. Preissenkungen, höhere Wettbewerbsfähigkeit, mehr Wohlfahrt
  • Zugang zu Absatzmärkten, neue Exportchancen
  • Beschäftigung und Einkommen in LDCs (theoretisch)
  • Menge und Tempo steigen

Nachteile

  • keine Nähe zur Produktion: Abstimmung, Qualitätskontrolle schwierig
  • Abhängigkeit von Lieferanten und Politik
  • Know-how-Verlust, Massenproduktion verschwindet aus D
  • Jobabbau im Inland, Lohndruck, Druck auf Sozialleistungen
  • Risiken: Insolvenz, Lieferprobleme, Datenschutz, Markenrechte, Wechselkurs
  • Race to the bottom: schlechtere soziale Bedingungen
  • Kommunikation, Kultur; Imageschäden
  • Regierung durch „anlagesuchendes Kapital“ eingeschränkt
  • lange Transportwege: Zeit, Umwelt
StandortwettbewerbWichtig
Preis-Leistungs-Verhältnis des Standorts: Entscheidend ist nicht die absolute Höhe von Lohnkosten oder Steuern, sondern die Standortqualität im Verhältnis zu den Kosten.

Kosten des Standorts

  • Lohn- und Lohnnebenkosten
  • Arbeitszeit, Flexibilität des Arbeitsmarktes
  • Steuer- und Abgabenbelastung
  • Genehmigungsverfahren und Dauer
  • sozial- und umweltrechtliche Vorschriften

Leistungen des Standorts

  • politische und soziale Stabilität (Streikhäufigkeit)
  • öffentliche Infrastruktur
  • Rechtssicherheit, leistungsfähige Verwaltung
  • Qualität von Schulen und Universitäten
  • Produktivität und Leistungsbereitschaft
  • Harte Standortfaktoren: objektiv messbar (Steuern, Abgaben, Rohstoffe, Kundennähe, Infrastruktur)
  • Weiche Standortfaktoren: subjektiv, schwer messbar (Lebensqualität, Image, Freizeit, Mentalität)
  • Arbeitskosten je Stunde 2022: Luxemburg 50,70 €, Dänemark 46,80, Deutschland 39,50, EU-Ø 30,50, Polen 12,50, Bulgarien 8,20 €
  • Vereinheitlichung von Steuer-/Sozialsystemen deshalb weder sinnvoll noch nötig
Einschränkung nationaler Regierungen: Geld-, Beschäftigungs-, Sozial- und Umweltpolitik hängt von anderen Ländern ab; mobiles Kapital übt Druck aus („zweiter Kontrolleur neben dem Wähler“) → doppelte Wählerschaft. Gegenmittel: regionale Wirtschaftsbündnisse (EU).
Fallbeispiel Italien: Gewinner oder Verlierer?
NordenZentrumSüden + Inseln
BIP/Kopf30.600–40.000 € (Lombardei 41.500)ähnlich Norden (Latium 36.500)18.000–24.000 € (Kalabrien 18.500)
Arbeitslosenquote~6 %~8 %16–18 % (Sizilien 20,5)
Jugendarbeitslosigkeit10–20 %18–24 %27–35 %
Sektoren67 % Dienstl., 2 % Agrar76 % Dienstl., 22 % Industrie67 % Dienstl., 25 % Ind., 8 % Agrar
Wanderungssaldomeist positivgemischtnegativ (Abwanderung)
  • EU-Ø: BIP/Kopf 34.000 €, ALQ 6,2 %
  • Ursachen: Industrialisierung im Norden nach 1860 (Nähe zu Kohlerevieren und Märkten, Auslandskapital, Verkehrsnetz); Süden: periphere Lage, keine Rohstoffe/Energie, Landwirtschaft, Mafia
  • Anbindung: Brenner, Gotthard; Häfen Triest (>50 Mio. t), Genua, La Spezia, Gioia Tauro (3,53 Mio. TEU); Lage an der Mittelmeerroute Asien–Amerika
  • Wichtigster Handelspartner: Deutschland (15,7 % der Importe, 12,9 % der Exporte), dann Frankreich
  • Fazit: Norden = Gewinner, Süden eher Verlierer → Fragmentierung innerhalb eines Landes (Scholz)
3

(De-)Globalisierung, geostrategische Spaltung & Standort Deutschland

Klausurthema

Chancen und Risiken für Deutschland aus vier Perspektiven: ökonomisch, ökologisch, gesellschaftlich, wirtschaftspolitisch. Aktuelle Artikel als Belege nutzen.

Geostrategische Spaltung: AusgangslageWichtig
  • Gefahr: Spaltung der Welt in einen westlichen und einen östlichen Block; Prognose De-Globalisierung
  • Deutschland: doppelte Abhängigkeit von China (Absatzmarkt + Rohstoffe/Vorprodukte); Spannungen mit China und Russland (Lieferketten, Kritik an deren Politik)
  • Ziel: Ende des Multilateralismus verhindern. Leitfrage: Wie sinnvoll ist eine Umgestaltung der deutschen Außenhandelspolitik?
Multilateral: kooperative Zusammenarbeit mehrerer Staaten zur Friedenssicherung und Problemlösung.
Bilateral: zweiseitig, nur zwei Staaten an Verträgen/Abkommen beteiligt.
  • Reshoring = Rückverlagerung ins Heimatland · Nearshoring = in nahe Länder · Friendshoring = in befreundete/wertegleiche Länder
Ökonomische PerspektiveWichtig

Risiken

  • China als Partner der Exportnation D fällt weg → Absatzmärkte weg, Einbrüche im Außenhandel, kein effizienter Handel mehr
  • Zugang zu Rohstoffen (z. B. Seltene Erden) erschwert → Produkte teurer, Inflationsdruck, Wettbewerbsfähigkeit sinkt
  • Traditionsbranchen geschwächt (Automobil)
  • weniger internationale Investitionen
  • Gewinne und Wachstum sinken, Wohlstand schwer zu halten (magisches Viereck)
  • Terms of Trade verschlechtern sich
  • Theorie: Verlust komparativer Kostenvorteile, Faktorproportionen-Vorteile und Skaleneffekte (Krugman) → höhere Stückkosten
  • weniger Wettbewerbsdruck → weniger Preis- und Innovationsdruck (Nachteil für Verbraucher)

Chancen

  • Druck, resilienter zu werden; Innovations- und Anpassungsdruck, neue Strategien
  • Re-/Near-/Friendshoring: Arbeitsplätze im Inland, krisensicherer
  • Versorgungs- und Produktionssicherheit (z. B. Medikamente)
  • Wachstum bestimmter Branchen im Inland, Fabriken und Know-how zurück
  • weniger Wettbewerbsdruck = kurzfristig Vorteil für Unternehmen
  • ggf. schnellere politische Entscheidungen (aber langsamere Infrastruktur)
  • Ziel bleibt: Beziehung zu China so lange wie möglich halten
Wirtschaftspolitische PerspektiveWichtig
  • Blockbildung verstärkt Protektionismus; weniger Kooperation; erinnert an den Kalten Krieg (1947–91: USA vs. Sowjetunion): Drohungen, Spionage, Wettrüsten; Konflikte schwerer lösbar
  • Multilaterale Organisationen (WTO, IWF, UNO) verlieren Bedeutung → LDCs abhängiger von Einzelmächten, Instabilität, Finanzkrisen, schwierige Kreditvergabe, Staatspleiten, weniger Standards, Zölle, Handelskriege
  • Bindung an demokratische Staaten, aber auch Umgang mit Partnern ohne gleiche Werte (z. B. Katar)
  • Subventionen für lokale Unternehmen; Lobbyismus könnte zunehmen
  • Handlungsfähigkeit der EU gefragt (Kriterium Schnelligkeit eher verletzt)
  • Zielkonflikte: Sicherheit vs. Effizienz; Sicherheit vs. wirtschaftliche Interessen
  • Maßnahmen: Lieferketten diversifizieren, Multilateralismus stärken
  • Fördermittel sinken zugunsten von Aufrüstung
Ökologische PerspektiveWichtig

Risiken

  • höherer Energiebedarf durch Parallelstrukturen, Ineffizienz
  • weniger globale Umweltabkommen, Koordination, Standards
  • grüne Investitionen verlangsamt
  • Klimaschutz als wirtschaftlicher Nachteil gesehen
  • heimische Rohstoffe umweltschädlich gewinnen (Fracking), Rückkehr zu alten Energieformen
  • Generationengerechtigkeit leidet (fossile Brennstoffe)
  • China, USA größte CO₂-Emittenten → weniger Fokus auf Klima
  • neue Industrieflächen im dicht besiedelten D
  • Umweltauflagen in D bremsen Direktinvestitionen

Chancen

  • Regionalisierung: weniger Transporte, kürzere Lieferketten → Entlastung der Umwelt
  • ggf. neue Unternehmen, Technologien, Güter
  • (Kehrseite: höhere Preise, weniger Vielfalt, schwerer Zugang zu günstigen Ressourcen)
Gesellschaftliche PerspektiveWichtig

Risiken

  • lokale Produktion → höhere Preise, Inflation (in der Umstellung), Arbeitslosigkeit; trifft Einkommensschwache → Ungleichheit, Bedarfsgerechtigkeit
  • Populismus, Extremismus, Rassismus, „Wir gegen die“; Stellvertreterkriege, umstrittene Waffenlieferungen
  • Spaltung (Klimapolitik, neue Handelspartner)
  • Ende von Förderprogrammen (z. B. für chinesische Studierende); Abkehr von wertebasierter Außenhandelspolitik
  • Zukunftsangst, Machtlosigkeit, Politikverdrossenheit
  • weniger Arbeitsmigration → Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Abwanderung

Chancen

  • Resilienz gegenüber Krisen, krisenfeste Jobs → Stabilisierung
  • neue Perspektiven (Infrastruktur, Jobs)
  • stärkerer Zusammenhalt in der EU
  • offene Frage: Spaltung oder Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls?
Artikel „Standort in Gefahr“ (Spiegel, 09.07.2026, Tomaso Duso)Wichtig

Duso = Chef der Monopolkommission, DIW, TU Berlin

  • Nicht die Unternehmen haben ein Problem, sondern der Standort: Konzerne wachsen im Ausland. Anteil Inlandsproduktion im verarbeitenden Gewerbe 57 % (2008) → 40 % (2024); bei gleichem Inlandswachstum 128 Mrd. € mehr Wertschöpfung
  • Energieintensive Branchen: Produktion ↓, Beschäftigung konstant → Produktivität sinkt; Hightech, Pharma, Elektronik wachsen
  • Ursachen: Bürokratie, Arbeitsmarktprobleme, Energiekosten (teils staatlich: Steuern, Netzentgelte, ineffiziente Infrastruktur), Unsicherheit durch Politikstreit, Risikoaversion der Unternehmen („trauen sich nichts mehr“)
  • Tankrabatt nach dem Irankrieg: falsch; Teil landete bei der Mineralölindustrie; besser gezielte Zuschüsse („Wir lindern Symptome“)
  • Doppelte Transformation: Dekarbonisierung + Digitalisierung; trifft v. a. den Mittelstand
  • Einseitige Abhängigkeiten: physische Vorprodukte von China, digitale Infrastruktur von den USA; Unabhängigkeit kostet Geld
  • China: Subventionen dort produktiv, wo sie Wettbewerb befeuerten
  • Gegen Schutzzölle und Subventionswettlauf: „konservieren ineffiziente Strukturen und nehmen Innovationsdruck“
  • Aktive Industriepolitik, aber: Außenhandels-, Wettbewerbs-, Energie- und Klimapolitik zusammendenken · Märkte arbeiten lassen · neue Industrien fördern statt alte schützen · europäisch koordinieren · experimentieren, evaluieren, stoppen
  • Staat: Strompreis senken, Bürokratie abbauen, Innovation und Binnenmarkt fördern
  • KI: bei Infrastruktur, Cloud, Chips dominieren US-Anbieter; deutsche Stärke = Anwendungen (Industrie-Know-how, Daten); 2025 nutzen nur die Hälfte der Großunternehmen und ein Drittel der KMU KI („organisatorische Trägheit“)
  • EU: Digital Markets Act durchsetzen, auch auf KI/Cloud; KI-Verordnung nicht vorab regulieren, Moratorium für KMU; Staat als Ankerkunde; keine Staats-Cloud gegen Amazon/Microsoft, eher Nischen wie ASML
  • Rüstung: über 100 Mrd. €/Jahr; 10 % für Dual-Use-Innovation (KI, Drohnen); Direktvergaben schlecht, europäisch beschaffen
Preis-Leistungs-Verhältnis Standort DeutschlandWichtig

Leistungen

  • politische/soziale Stabilität (Demokratie, Rechtsstaat, Gewaltenteilung), wenig Streik
  • hoch qualifizierte Fachkräfte, Hochschulkooperation, duales Ausbildungssystem
  • gute Infrastruktur (Schiene, Flughäfen, Flüsse, Häfen)
  • zentrale Lage in Europa, Binnenmarkt
  • hohe Produktivität und Leistungsbereitschaft
  • starker, innovativer Mittelstand
  • Image: Qualität, verlässliche Lieferketten (weicher Faktor)
  • hohe Lebenserwartung

Kosten

  • Störungen der Stabilität: Scheitern der Ampel, Erstarken der Ränder, Unzufriedenheit; 6 Jahre Stagnation
  • Abhängigkeit bei Öl/Gas, teurer Strom, hohe Energiekosten
  • Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Emigration
  • Bürokratie (Genehmigungen, Gründung, Dokumentationspflichten)
  • Steuern: KSt 15 % + Soli 5,5 % auf KSt + Gewerbesteuer ~14 % → effektiv ~28,5 %
  • sehr hohe Arbeitskosten, sinkende Produktivität, starke Gewerkschaften
  • hohe Immobilienpreise; Rückstand bei KI-Infrastruktur/Cloud
  • Folge: wenig ausländische Direktinvestitionen
Artikel „Die Nadelöhre der Weltmeere“ (FAZ, 08.07.2026)
  • Irankrieg / Blockade der Straße von Hormus; früher: Suezkanal-Blockade durch Ever Given (März 2021, 6 Tage), Huthi-Angriffe im Roten Meer (Ende 2023), Panamakanal als Konflikt unter Trump
  • Schifffahrt konzentriert sich auf wenige Routen und Großhäfen (Größenvorteile); 80 % des Seehandels über indirekte Routen
  • Weltweit 80 % des Handelsvolumens per Schiff, Deutschland ~50 %; Autos zu >99 % per Schiff, Smartphones per Luftfracht (hohe Wertdichte)
  • Anteil deutscher Importe 2023: Suez 9,8 %, Bab al-Mandab 9,7 %, Malakka 8,9 %, Taiwan 7,2 %, Hormus nur 0,4 % (Öl 6,2 %, LNG 8,7 %)
  • Textilien: 70 % der Importe ≥ 1/5 über Suez; Rohglimmer 97,2 % und Phosphinate 73,5 % über Suez
  • Exporte: Suez 10 %, Bab al-Mandab 9,6 %, Malakka 8,7 %, Taiwan 7,2 %; Roheisen und bestimmte Arzneimittel 85 %, Maschinen 65 % suezabhängig
  • Suez umfahrbar (Kap der Guten Hoffnung, teurer); Hormus ohne Alternative
  • Wirkung auch indirekt über Weltmarktpreise → Diversifizierung der Herkunftsländer reicht allein nicht; evidenzbasierte Analyse nötig für resiliente Lieferketten
Artikel „WTO warnt vor Blockbildung“ (taz, 16.09.2026)
  • Ohne WTO-Regeln: Exporte bis 2050 fast −27 %, Weltwirtschaft fast −7 %; mehr multilaterale Kooperation: +2,9 %
  • Fragmentierung trifft LDCs am stärksten: −16,5 % Wirtschaftsleistung, reiche Länder −4,5 %
  • LDCs < 1 % des Welthandels, abhängig von billigen Rohstoffexporten; Handelskosten 50 % über denen reicher Staaten (Standards, Zertifizierungskosten)
  • WTO seit 25 Jahren blockiert: EL kritisieren Agrarsubventionen reicher Länder; USA/EU werfen China Industriesubventionen vor; USA blockieren neue Richter für die Streitschlichtung
  • Ausweg: plurilaterale Abkommen; Reform kaum vorangekommen
  • Meistbegünstigung (MFN) gilt noch für 72 % des Welthandels (Anfang 2025: 80 %) → Folge der US-Zölle und bilateraler Abkommen
  • WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala: „Wir alle haben etwas zu verlieren“
Exportorientierung Deutschlands (Abiarbeit Nr. 3)

Chancen

  • Zugang zu großen Absatzmärkten
  • sichert Wachstum und Arbeitsplätze
  • Arbeitsteilung, globale Wertschöpfungsketten
  • komparative Vorteile, Spezialisierung
  • Druck zu ständiger technologischer Weiterentwicklung

Risiken

  • Abhängigkeit von Auslandsnachfrage und Weltkonjunktur
  • Krisen in Absatzmärkten treffen D stark
  • Protektionismus, Zölle, Handelsbarrieren
  • „Brain-Drain“: Forschung wandert ab
  • D: überproportional großer Exportsektor, hoher Offenheitsgrad; fast jeder 4. Arbeitsplatz exportabhängig
  • Einflussfaktoren Export: Produktportfolio/Alleinstellungsmerkmal, politische Entwicklung, Präferenzen der Abnehmer, Lohnstückkosten, Wechselkurs
  • Möglichkeiten der Außenhandelspolitik: Multilateralismus/WTO stärken, freie Märkte und Zollabbau, Handelspartner diversifizieren, Schutz vor unfairem Wettbewerb durch die EU, Investitionsabkommen (Rechtsschutz für KMU im Ausland), ggf. Exportsubventionen/Importbeschränkungen
  • In Antworten Außenhandelstheorien einbauen (absolute/komparative Vorteile, Faktorproportionen, Krugman)
Themenfelder: Globalisierung als Herausforderung für DHintergrund
  • demokratische Entwicklung · Sicherheitspolitik/Friedenssicherung · Flucht und Vertreibung · Klimaschutz · globale Konkurrenz · Wirtschaftsräume · Stabilisierung/Regulierung der Finanzmärkte · Digitalisierung
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Außenhandelstheorien

Wichtig · im Detail

Schwerpunkt der Klausur. Rechnen können (Opportunitätskosten, Terms of Trade), Kernaussagen erklären, Kritik nennen, Theorien vergleichen.

Warum betreiben Staaten Handel? + Zeitstrahl

Natürliche Gründe

  • beschränkte/keine Verfügbarkeit von Produktionsfaktoren und Rohstoffen
  • Mangel (zeitweise oder dauerhaft) → Import, Export zur Finanzierung
  • Überschuss → durch Export abbauen (EU-„Butterberge“)
  • Spezialisierung → Kostensenkung durch hohe Kapazitätsauslastung

Kosten-/Preisgründe

  • Wohlstandssteigerung durch unterschiedliche Produktionskosten, entstehend durch:
  • 1) Umwelt, Boden, Rohstoffe, Energiequellen
  • 2) Arbeitskraft, Wissen, Leistungsbereitschaft
  • 3) Kapitalausstattung, Investitionsbedingungen
  • → Antwort geben die klassischen Theorien
JahrTheorieKernidee
1600–1800MerkantilismusExport fördern, Import hemmen (Handel als Nullsummenspiel)
1776Adam Smithabsolute Kostenvorteile
1817David Ricardokomparative Kostenvorteile
1933Heckscher & OhlinFaktorproportionentheorie
1953LeontiefParadoxon (Widerlegung H-O für USA 1947)
1966Raymond VernonProduktlebenszyklus
1979Paul KrugmanNeue Außenhandelstheorie, intraindustrieller Handel
1980Michael E. PorterDiamanten-Modell, nationale Wettbewerbsvorteile
Absolute Kostenvorteile (Adam Smith, 1776)Wichtig
Kernaussage: Jedes Land spezialisiert sich auf das Gut, das es kostengünstiger als das andere Land herstellen kann (weniger Arbeitsstunden). Durch internationale Arbeitsteilung steigt die Gesamtproduktion. Werk: „Wohlstand der Nationen“.
  • Handel ist kein Nullsummenspiel (gegen Merkantilismus); Vorteile auch ohne Exportüberschuss, weil die Produktivität steigt
  • Zitat Familienvater: Der Schneider macht seine Schuhe nicht selbst, er kauft sie beim Schuhmacher. Was für eine Familie vernünftig ist, ist für ein Königreich nicht töricht.
Unterrichtsbeispiel (Arbeitsstunden je Mengeneinheit, je 2 ME Kapazität)
TextilienWeinautark (1 T + 1 W)
Deutschland90 h120 h210 h
England100 h80 h180 h
D hat absoluten Vorteil bei Textilien, E bei Wein. Autarkie: 210 + 180 = 390 h. Spezialisierung: D 2 T = 180 h, E 2 W = 160 h → 340 h → 50 h Ersparnis → mehr Wertschöpfung, höherer Wohlstand.
Opportunitätskosten: D Textil 90/120 = 0,75 W, D Wein 1,33 T; E Textil 100/80 = 1,25 W, E Wein 0,8 T
Buchbeispiel Stahl/Weizen (100 Arbeitseinheiten je Land)
nur Stahlnur WeizenAE pro ME StahlAE pro ME Weizen
Ausland12 ME24 ME8,334,17
Inland16 ME10 ME6,2510
  • Ausland: Weizenproduktivität 140 % höher (Bodenqualität); Inland: Stahlproduktivität 33⅓ % höher
  • Autarkie: Ausland 4 S + 16 W, Inland 8 S + 5 W → gesamt 12 S + 21 W
  • Spezialisierung: Inland 16 S, Ausland 24 W → 16 S + 24 W (mehr von beidem)
  • Darstellung als Produktionsmöglichkeitskurve (Gerade zwischen den Achsenpunkten; Punkt A Ausland, B Inland)
Komparative Kostenvorteile (David Ricardo, 1817)Wichtig
Kernaussage: Handel lohnt sich auch dann, wenn ein Land alle Güter günstiger herstellt. Jedes Land spezialisiert sich auf das Gut mit den geringeren Opportunitätskosten (relativer Vorteil). Werk: „On the Principles of Political Economy and Taxation“.
Opportunitätskosten (Verzichtskosten) eines Gutes = Stunden für das gesuchte Gut ÷ Stunden für das andere Gut = wie viele Einheiten des anderen Gutes man für 1 Einheit aufgibt. Kleinere Zahl = komparativer Vorteil.
  • Beispiel Schriftsteller: Er ist auch der beste Steuerberater der Stadt, beauftragt trotzdem einen Berater, um mehr Zeit für das lukrativere Schreiben zu haben.
  • Ursprung: Ricardos Beispiel Portugal/England, Tuch und Wein
Unterrichtsbeispiel (D hat bei beiden Gütern absoluten Vorteil)
TextilienWein
Deutschland90 h · 90/80 = 1,13 W80 h · 80/90 = 0,88 T
England100 h · 100/120 = 0,83 W120 h · 120/100 = 1,2 T
→ D macht Wein (0,88 < 1,2), E macht Textilien (0,83 < 1,13).
Autarkie: D 170 h + E 220 h = 390 h. Spezialisierung: D 2 W = 160 h, E 2 T = 200 h → 360 h → 30 h Ersparnis (Gesamtwohlfahrt steigt).
Buchbeispiel Stahl/Weizen (Ausland mit absolutem Vorteil bei beiden)
nur Stahlnur WeizenOK 1 ME StahlOK 1 ME Weizen
Ausland18 ME24 ME24/18 = 1,33 W18/24 = 0,75 S
Inland16 ME10 ME10/16 = 0,625 W16/10 = 1,6 S
  • Ausland: Vorsprung bei Weizen 140 %, bei Stahl nur 12,5 % → relativer Vorteil bei Weizen
  • Autarkie: Ausland 6 S + 16 W, Inland 8 S + 5 W → 14 S + 21 W
  • Spezialisierung: Inland 16 S, Ausland 24 W → 16 S + 24 W

Achtung: Hier wird mit Mengen (ME pro 100 AE) gerechnet, nicht mit Stunden pro ME. Dann ist OK = Verzicht auf anderes Gut ÷ Mehrproduktion.

Terms of Trade (ToT)Wichtig
Terms of Trade: reales Austauschverhältnis zwischen Export- und Importgütern = wie viele Importgüter ein Land für eine Einheit seines Exportgutes erhält.
ToT = Importmenge ÷ Exportmenge · in der Statistik: Exportpreisindex ÷ Importpreisindex × 100
  • Verbesserung: Exportpreise steigen stärker als Importpreise → mehr Importe pro Export
  • Verschlechterung: Importpreise (Rohstoffe, Energie) steigen stärker oder Exportpreise fallen (Preisverfall bei Rohstoffen → Ursache der Schuldenkrise vieler Entwicklungsländer)
  • Handel lohnt sich für ein Land nur, wenn ToT > eigene Opportunitätskosten des Exportguts
  • Für beide Länder: ToT muss zwischen den Opportunitätskosten beider Länder (in Autarkie) liegen; sonst gewinnt nur eines, das andere verliert oder bleibt gleich
  • ToT bestimmen also, ob Handel zustande kommt und wie viel gehandelt wird; abhängig u. a. von der Marktmacht
0 0,5 1 2 0,625 1,33 Vorteil für beide Nachteil Inland Nachteil Ausland ToT aus Sicht Inland: ME Weizen-Import je 1 ME Stahl-Export
Buchbeispiel: Untergrenze = OK Stahl im Inland (0,625 W); Obergrenze = 1 ÷ OK Weizen im Ausland (1 ÷ 0,75 = 1,33 W). An den Grenzen: weder Vor- noch Nachteil für das jeweilige Land.
Rechenbeispiel ToT 1 : 1 (Buch): Inland tauscht 8 Stahl gegen 8 Weizen → hat 8 S + 8 W (vorher 8 S + 5 W). Ausland hat 16 W + 8 S (vorher 16 W + 6 S). Beide Länder liegen rechts ihrer Produktionsmöglichkeitskurve → beide gewinnen. Grund: Inland bekommt für 1 S einen W, Verzicht wäre nur 0,625 W.
Übertragen aufs Unterrichtsbeispiel (eigene Ableitung): D exportiert Wein (OK 0,88 T), E exportiert Textil (OK 0,83 W ⇒ 1 W kostet E 1,2 T). ToT für D (Textilien je Wein) muss zwischen 0,88 und 1,2 liegen.
Kritik an der Theorie der komparativen KostenvorteileWichtig
Unrealistische Modellannahmen (Prämissen)
  • nur 2 Länder, 2 Güter
  • vollständige Konkurrenz auf Güter- und Faktormärkten
  • nur ein Produktionsfaktor (Arbeit) → Arbeitswertlehre
  • Vollbeschäftigung, auch nach Aufnahme des Handels
  • Produktionsfaktoren nur national mobil, international immobil
  • keine Transportkosten; Naturaltausch (kein Geld)
Kapitalmobilität → absolute Vorteile zählen
  • Geldkapital ist heute international sehr mobil (sekundenschnell); Investoren gehen dorthin, wo absolut am günstigsten produziert wird
  • Folge: Standortwettbewerb, internationale Kostensenkungswettläufe; Extremfall: Land ohne absolute Vorteile verliert die gesamte Produktion
Transport- und soziale Kosten fehlen
  • energieintensive Transportkosten plus soziale Kosten (Infrastruktur, Unfälle, Umwelt) würden einen erheblichen Teil der Vorteile aufzehren
Keine Erklärung für den Handel in der EU
  • D handelt vor allem mit Ländern ähnlicher Produktivität (F, NL, IT, GB, USA)
  • Export und Import in denselben Kategorien (Fahrzeuge, Maschinen, Chemie) = intrasektoraler Handel, nicht auf Spezialisierung beruhend → besser erklärt durch Krugman
Historische Erfahrungen (Kolonialzeit)
  • Spezialisierung schafft gefährliche wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten
  • England forderte Freihandel, schützte aber selbst seine Textilindustrie gegen indische Textilien
  • Indien: „De-Industrialisierung“, nur noch Rohstoffe (Baumwolle, Jute), Weiterverarbeitung in England; Anbau von Nutzpflanzen statt Nahrung → Nahrungsimporte, Hungersnöte bis heute
Faktorproportionentheorie (Heckscher & Ohlin, 1933)Wichtig
Kernaussage: Ein Land exportiert die Güter, die den bei ihm relativ reichlich vorhandenen Produktionsfaktor intensiv nutzen, und importiert Güter, die den knappen Faktor brauchen. Erweiterung von Ricardo: nicht nur Arbeitsproduktivität, sondern gesamte Faktorausstattung (Arbeit, Boden, Kapital).
  • Reichlicher Faktor = relativ günstiger Faktorpreis → Kostenvorteil
  • Es zählt das Verhältnis der Faktoren im Land, nicht die absolute Menge
  • Bevölkerungsreiche Länder: niedrige Löhne → arbeitsintensive Exporte; kapitalreiche Industrieländer: hohe Löhne, niedrige Zinsen → kapitalintensive Exporte
  • Der knappe, teure Faktor wird sparsam eingesetzt
  • Faktor Arbeit zentral für internationale Arbeitsteilung; später um Zollabkommen u. a. erweitert
  • Werk: Ohlin, „Interregional and International Trade“ (1933)

Arbeitsintensive Güter

  • Textilien, Landwirtschaft/Ernte, Handwerk, Gastronomie, Pflege, Support, Softwareentwicklung
  • viel Handarbeit, persönliche Beratung
  • hohe Personalkosten, teils Niedriglohnsektor

Kapitalintensive Güter

  • Fernseher, Pharma, Schwerindustrie, Energie, Automobil, Flugzeug-/Zugbau, KI-Modelle, Finanzbranche
  • viele Maschinen, Fabriken, hohe Automatisierung
  • hohe Fixkosten und Anfangsinvestitionen, wenige Arbeitskräfte pro Stück
  • Bezug Entwicklungsländer: Rohstofflieferanten (fehlendes Know-how, Kapital, Technologie); Struktur stammt aus Kolonialzeit (Spanier verboten Seiden-/Tuchproduktion in Mexiko; Zerstörung indischer Textilindustrie)
  • Widerspruch durch Empirie: Leontief-Paradoxon (siehe Ast 6)
Neue Außenhandelstheorie (Paul Krugman, 1979)Wichtig
Kernaussage: Handel entsteht auch zwischen ähnlichen Ländern durch Skaleneffekte (economies of scale): Massenproduktion senkt die Stückkosten. Dafür braucht man große Märkte, also das Ausland. Erklärt intraindustriellen Handel (gleiche Branche in beide Richtungen).
Wirkungskette aus dem Unterricht: Massenproduktion → Skaleneffekte → günstigerer Einkauf von Rohstoffen/Vorprodukten, optimierte Abläufe → Kosten und Preis sinken → Kaufkraft steigt → Wohlstand steigt. Voraussetzung: neue Absatzmärkte im Ausland.
  • Beispiel: VW nach Frankreich, Renault nach Deutschland; deutscher Export und Import von Autos, Maschinen, Chemie
  • Schließt die Lücke, die Ricardo und Heckscher-Ohlin beim EU-Handel lassen
  • Bezug Deglobalisierung: Wegfall großer Märkte (China) → Verlust von Skaleneffekten → höhere Stückkosten, Wettbewerbsnachteil

Ergänzung (Standardwissen, nicht aus den Unterlagen): Produktdifferenzierung (jede Marke etwas anders) und Vorliebe der Konsumenten für Vielfalt → Handel erhöht die Auswahl. Wer früh große Stückzahlen erreicht, hat einen Vorsprung (First-Mover). Nobelpreis 2008.

Produktlebenszyklus-Theorie (Raymond Vernon, 1966)
Kernaussage: Komparative Vorteile eines Produkts verändern sich im Zeitverlauf; der Produktionsstandort wandert je nach Phase.
PhaseOrtMerkmal
Innovation (Einführung)hoch entwickeltes Industrielandtechnologie- und wissensintensiv, Inlandsmarkt
AusreifungInnovator exportiert; andere IL imitierenWachstum, Exporte beginnen; Imitatoren verdrängen Innovator durch Transport-/Lohnvorteile
Sättigung (Standardisierung)EntwicklungsländerMassenproduktion, geringe Anforderungen an Personal, Arbeit überwiegt; EL exportieren ins Ursprungsland
  • IL spezialisieren sich auf innovative Produkte; ihre Importe sind Produkte, die sie früher selbst gemacht haben
  • Neben Löhnen zählen Steuern, politische Stabilität usw.
Diamanten-Modell (Michael E. Porter, 1980)
Kernaussage: Warum sind einige Länder in bestimmten Branchen besonders erfolgreich? Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen/Branchen hängt von 4 Haupt- und 2 Nebenfaktoren ab.

4 Hauptelemente

  • Faktorausstattung: Menge/Qualität der Faktoren, Qualifikation, Infrastruktur
  • Nachfragebedingungen: Marktgröße, Anspruchsniveau
  • verwandte/unterstützende Branchen: Cluster
  • Unternehmensstrategie, Struktur, Konkurrenz

2 Nebenbedingungen

  • Zufall: Entdeckungen, Technologiesprünge, Ölkrisen, Kriege
  • Staat: kann Chancen fördern, Vorteile aber nicht allein schaffen
Theorien vergleichen und bewerten
TheorieGrund für Handelerklärt gutSchwäche
Smithabsolute KostenunterschiedeHandel bei klaren Vorteilenkein Handel, wenn ein Land alles besser kann
Ricardorelative Kosten (Opportunitätskosten)Handel auch bei absoluter UnterlegenheitPrämissen, Kapitalmobilität, EU-Handel
Heckscher-OhlinFaktorausstattungHandel Industrie- ↔ EntwicklungsländerLeontief-Paradoxon; Arbeit nicht homogen
VernonPhase des ProduktsWandel der Standorte über Zeitnicht alle Produkte durchlaufen Zyklus
KrugmanSkaleneffekte, VielfaltHandel zwischen ähnlichen Ländern (EU)weniger zu Rohstoff-/Nord-Süd-Handel
PorterWettbewerbsvorteile von BranchenCluster, Branchenerfolgeher Unternehmens- als Länderebene
  • Entwicklung: vom Land (Smith/Ricardo) über Faktoren (H-O) zu Produkt (Vernon), Markt/Unternehmen (Krugman) und Branche (Porter); immer realistischer, aber komplexer
  • Wann lohnt die Verlagerung einzelner Produktionsschritte? Wenn der Schritt den im Zielland reichlichen (billigen) Faktor nutzt (H-O), standardisiert ist (Vernon) oder Skaleneffekte entstehen (Krugman)
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Handelshemmnisse & Protektionismus

Wichtig

Gründe, Formen, Folgen. Zolldiagramm zeichnen und erklären können, marktkonform vs. marktkonträr begründen.

Begriff
Protektionismus: staatliche Handelspolitik, die die eigene Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz schützt, indem Importe verteuert, mengenmäßig begrenzt oder durch Vorschriften erschwert werden. Ziel: Verhältnis Import/Export zugunsten der eigenen Volkswirtschaft beeinflussen.
  • Gegenteil: Freihandel. Klassiker betonen Vorteile des Freihandels; Befürworter von Schutz: junge Industrien, kleinbäuerliche Landwirtschaft schützen. Kritiker: langer Schutz hemmt Dynamik
FormenWichtig
Tarifäre Handelshemmnisse (direkt an Preisen/Zöllen)
  • Zölle: Abgaben auf eingeführte Waren → Importe teurer, Preisvorteil für heimische Anbieter
  • Mindestpreise und Abschöpfungen (in der EU verbreitet); gelten für Import- und Inlandsgut (laut WTO nicht-tarifär, marktkonträr)
  • Subventionen: Zuschüsse, günstige Kredite, Steuervorteile; als Exportsubventionen gezielt für den Export
  • Steuern

Fallen sofort auf, stehen in Zolltarifen.

Nicht-tarifäre Handelshemmnisse („versteckter Protektionismus“)
  • nicht in Listen/Zolltarifen, oft intransparent, schwer erfassbar
  • Importquoten/Kontingente: feste Einfuhrmengen pro Zeitraum (meist Kalenderjahr)
  • Exportbeschränkungen (bei Militärgütern die Regel)
  • technische/landesspezifische Normen, Produktstandards, Umweltauflagen, Kennzeichnungspflichten, Qualitätsprüfungen → Anpassungskosten
  • Zollformalitäten, komplizierte Verwaltung, unterschiedliche Rechtsvorschriften
Weitere Instrumente
  • Vetorecht bei Direktinvestitionen/Übernahmen (v. a. kritische Infrastruktur)
  • Währungspolitik: Abwertung (mehr Geldmenge, Niedrigzins, Inflation zulassen, Devisenverkauf) → Exporte billiger; aber Rohstoff- und Vorproduktimporte teurer; verändert die Terms of Trade
  • Beschaffungspolitik: öffentliche Aufträge an Inländer („Made in Europe“)
  • Bilaterale Verträge, Freihandelszonen, Friendshoring: Partner rein, andere raus → abgeschottete Binnenmärkte
  • Sanktionen
  • Preisdumping: kurzfristig Verluste, um Konkurrenz zu verdrängen; staatliches Dumping = reine Exportsubventionen oder Währungsmanipulation (kompetitive Abwertung)
GründeWichtig
  • Schutz nicht wettbewerbsfähiger Branchen (Landwirtschaft, Bergbau, Teile der Industrie) → Arbeitsplätze sichern, Strukturwandel verlangsamen, v. a. in Krisen
  • Schutz junger Zukunftsbranchen (Pioniervorteile) → Erziehungszoll als vorübergehende Maßnahme, z. B. Indien
  • Strategische Bereiche: Energie, Ernährung, Rüstung, digitale Infrastruktur → weniger Auslandsabhängigkeit
  • Staatseinnahmen durch Zölle
  • Druckmittel in der Außenpolitik, Zugeständnisse erzwingen
  • Reaktion auf unfairen Wettbewerb: Strafzölle gegen Dumping oder ausländische Subventionen
  • Exportverbote für Waffen und wichtige Rohstoffe
  • Umwelt-, Sozial-, Verbraucherschutz → soziale und ökologische Standards
  • Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern sichern
Folgen + Wirkung eines ImportzollsWichtig
PMenge AN Autarkie Weltpreis + Zoll A₁A₂N₂N₁ DEF Import ohne Zoll: A₁ bis N₁ · Import mit Zoll: A₂ bis N₂
D = Produktionsverlust (ineffiziente Mehrproduktion im Inland) · E = Zolleinnahmen des Staates · F = Konsumverlust · D + F = Nettowohlfahrtsverlust
ohne Zollmit ZollVeränderung
KonsumentenrenteA+B+C+D+E+FA+B−(C+D+E+F)
ProduzentenrenteGC+G+C
Staatseinnahmen–E+E
GesamtrenteA+B+C+D+E+F+GA+B+C+E+G−(D+F)
  • Weltpreis liegt unter dem Autarkie-Gleichgewicht → nur deshalb wird importiert
  • Zoll hebt den Inlandspreis: Inlandsproduktion steigt (A₁ → A₂), Konsum sinkt (N₁ → N₂), Importmenge sinkt; Markt rückt näher an Autarkie
  • Gewinner: inländische Produzenten, Staat. Verlierer: inländische Käufer
  • Zoll = Schutzinstrument und Einnahmequelle (Fläche E)
Folgen allgemein
  • Wohlfahrtsverlust, weil Effizienzgewinne der Arbeitsteilung verhindert werden
  • Gegenmaßnahmen → Handelskonflikt/Handelskrieg, Zölle verstärken sich gegenseitig (protektionistische Spirale)
  • höhere Preise, weniger Auswahl für Verbraucher; Exporteure verlieren Absatzmärkte
  • ineffiziente Strukturen werden konserviert, weniger Innovationsdruck (Duso)
  • Beispiel US-Zölle: Apple verlagert nach Indien statt in die USA; MFN-Anteil sinkt von 80 % auf 72 %
  • Agrarprotektionismus der IL (EU-GAP, USA, Kanada, Norwegen, Schweiz) schadet Entwicklungsländern: Agrarhilfen OECD 2012 über 200 Mrd. €; Spitzenzölle bis 350 %; Zölle auf Agrarexporte der EL im Schnitt 10-mal höher als innerhalb der OECD → EL errichten Gegenzölle = Teufelskreis
Marktkonform oder marktkonträr?Wichtig
Marktkonform: Maßnahme verzerrt den Preismechanismus von Angebot und Nachfrage nicht; Menge kann sich anpassen, kein dauerhafter Angebots- oder Nachfrageüberschuss.
  • Zölle = marktkonform: wirken als Abgabe über den Preis; Markt bleibt offen, jeder entscheidet frei, wie viel er importiert (je nach Preiselastizität). Trotzdem Wohlfahrtsverlust
  • Zölle werden marktkonträr, wenn sie so hoch sind, dass Importe ganz verhindert werden; ebenso starke Exportsubventionen und willkürliche Diskriminierung einzelner Länder (Sonderzölle)
  • Kontingente/Importquoten = marktkonträr: Menge wird festgesetzt, Preis kann nicht ausgleichen
  • Höchst- und Mindestpreise = marktkonträr: Gleichgewichtspreis gesetzlich verboten → dauerhaftes Ungleichgewicht
Höchstpreis (unter GG-Preis) → Nachfrageüberschuss → Wartelisten, Schwarzmarkt, Vergabe nach Sympathie; Nettowohlfahrtsverlust
Mindestpreis (über GG-Preis) → Angebotsüberschuss → Überschussproduktion (Butterberg), beim Mindestlohn Arbeitslosigkeit; Nettowohlfahrtsverlust
Aufgaben aus dem Unterricht (Übungsfragen)
AFB II Zeigen Sie, inwiefern Zölle gleichzeitig Schutzinstrument und Einnahmequelle sind.
AFB II Erklären Sie, ob tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse marktkonform sind.
AFB III Nehmen Sie Stellung, ob Staaten strategisch wichtige Branchen grundsätzlich schützen sollten.
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Hintergrundwissen

Hintergrund

Laut Lehrerin nur als Hintergrund relevant: verstehen und als Beleg einbauen können, nicht auswendig lernen.

ZahlungsbilanzHintergrund
Zahlungsbilanz: erfasst alle wirtschaftlichen Transaktionen zwischen In- und Ausländern während eines Zeitraums. Stromgröße, keine Bestandsgröße. Statistisch immer ausgeglichen (doppelte Buchführung), Teilbilanzen haben aber Salden.
TeilbilanzInhaltD 2022 (Mrd. €)
I. Leistungsbilanz1. Handelsbilanz (Waren) · 2. Dienstleistungsbilanz (Reisen, Transport) · 3. Primäreinkommen (Löhne, Zinsen, Dividenden) · 4. Sekundäreinkommen / laufende Übertragungen (EU-Beiträge, Überweisungen von Gastarbeitern, Entwicklungshilfe)162,0 (Waren +111,9; DL −31,0; Primär +150,0; Sekundär −68,8)
II. Vermögensübertragungeneinmalig, z. B. Schuldenerlass, Erbschaften−18,6
III. KapitalbilanzDirektinvestitionen, Wertpapiere, Finanzderivate, übriger Kapitalverkehr (Kredite)223,3
IV. Restpostenstatistisch nicht aufgliederbar (Schmuggel, Kapitalflucht)84,3
V. DevisenbilanzVeränderung der Währungsreserven4,4
  • Bilanzgleichung (Bundesbank): I + II = III + IV + V
  • D: aktive Handelsbilanz; Dienstleistungsbilanz meist negativ (Auslandsreisen); Übertragungen negativ
  • Kapitalimport = Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland; Kapitalexport = Zunahme der Forderungen
  • Außenbeitrag (Exporte − Importe von Waren und DL): 2020: 191,7 · 2021: 191,5 · 2022: 75,9 Mrd. €
Lösungen der Übung (wahr/falsch)
  • Teilbilanzen müssen nicht null sein
  • Tourist gibt 2.000 € in Italien aus → verschlechtert die Leistungsbilanz (Dienstleistungsimport)
  • Französin kauft deutsche Aktien → Kapitalzufluss nach D (wahr)
  • Ausländische Fabrik in D → Direktinvestition
  • Schenkung ins Ausland → Leistungsbilanz/laufende Übertragungen, nicht Handelsbilanz
  • Einmaliger Schuldenerlass → Vermögensübertragungen; Entwicklungshilfe (regelmäßig) → laufende Übertragungen
  • Leistungsbilanzdefizit senkt nicht automatisch die Währungsreserven (auch Kredite möglich)
  • Defizit = mehr Import als Export (Satz mit „mehr Export“ beschreibt Überschuss)
  • Zinsen aus Auslandsdarlehen → Primäreinkommen (Leistungsbilanz), nicht Kapitalbilanz
  • Zahlungsaufschub vom chinesischen Lieferanten → Verbindlichkeit des Importeurs
Außenhandel Deutschland in Zahlen
  • Außenhandel = grenzüberschreitender Waren- und Dienstleistungsverkehr; vorteilhaft, wenn Güter im Inland fehlen oder anderswo günstiger herstellbar sind
  • Wichtigste Lieferanten 2022: China 191,1 · Niederlande 123,0 · USA 91,7 Mrd. €
  • Wichtigste Kunden 2022: USA 156,1 · Frankreich 116,1 · Niederlande 110,6 · China 106,8 Mrd. €
  • Exporte 2021: 1.375 Mrd. € – Autos 210, Maschinen 195, Chemie 137, EDV/Elektronik 120
Theorie der globalen Fragmentierung (Fred Scholz)Hintergrund
Kernaussage: Nicht Länder, sondern einzelne Orte/Regionen und Teile der Bevölkerung nehmen an der Globalisierung teil. Es gibt keine flächendeckenden Wachstumsimpulse („Sickereffekte“).
KategorieBeispieleRolle
Globale Orte (global cities)Kommandozentralen der Wirtschaft, Hightech/Forschung/Service, fordistische IndustrieGewinner, Schaltstellen; „Logos“ und „Brands“
Globalisierte OrteHightech-Services, Auslagerungsindustrie, Billiglohn-Konsumgüter, Rohstoffe/Nahrungsmittel, Kinder-/Heimarbeit, TourismusenklavenScheingewinner, abhängig von Entscheidungen der globalen Orte
Neue PeripherieStaaten oder Teile davon, Überlebensraum der „Überflüssigen“Verlierer: Ausgrenzung, Abkopplung
  • Fragmentierung auch innerhalb von Städten: Manila (Geschäftszentrum + Slum), Johannesburg: Global City Afrikas (3,8 Mio. Einwohner, Infrastruktur, Uni Witwatersrand), aber informeller Sektor, Townships (Soweto), Apartheid-Folgen
  • DI von Konzernen in EL stark gestiegen (Töchter hundertfach auf über 300.000), v. a. in Sonderwirtschaftszonen
  • Kapital fließt zurück: Sportschuh (120–160 €) → 12 % bleiben im Land, 0,4 % Löhne; iPhone: Apple-Profit 58,4 %, chinesische Arbeiter 1,8 %
  • Braindrain vs. Braingain (Rücküberweisungen, Rückkehr mit Know-how)
Leontief-Paradoxon (1953)Hintergrund
Ergebnis: Die kapitalreichen USA exportierten 1947 überwiegend arbeitsintensive und importierten kapitalintensive Güter → widerspricht der Faktorproportionentheorie.
  • Gute Ausbildung (Humankapital) → USA exportieren komplexe Güter, komparative Vorteile dort
  • Andere Faktoren (Boden, Know-how) nicht berücksichtigt; Faktor Arbeit nicht homogen
  • Protektionismus/Zollpolitik (Kalter Krieg) nicht im Modell
  • starke US-Inlandsnachfrage nach kapitalintensiven Gütern
  • weitere Erklärungen: Marktsysteme, Nachfragepräferenzen, Technologien, Marktunvollkommenheiten, Handelsbilanzungleichgewichte, Datenverzerrung
  • 1947 = Nachkriegszeit, evtl. nicht repräsentativ
  • Fazit: Handel komplexer als angenommen; Technik, Humankapital, nicht-tarifäre Hemmnisse wichtig; Leontief = Nobelpreis 1973
Global Economic Governance: WTO, IWF, WeltbankHintergrund

Gründung nach Bretton Woods 1944 als Lehre aus der Weltwirtschaftskrise 1929 (Protektionismus der Staaten) → freie, geordnete Weltwirtschaft. Global Governance = „Weltregieren ohne Weltregierung“. Proteste: „Battle of Seattle“ 1999, Genua 2001.

WTO (1995, Genf)
  • Vorläufer GATT (1947 von 23 Ländern, in Kraft 1948; BRD 1950): multilateraler Vertrag, Prinzipien Meistbegünstigung, Verbot neuer Hemmnisse, Verbot mengenmäßiger Beschränkungen
  • Uruguay-Runde 1986–93, Marrakesch 1994 → WTO als Dach: GATT (Waren), GATS (Dienstleistungen), TRIPs (geistiges Eigentum), TRIMs (Auslandsinvestitionen)
  • Ziele: Liberalisierung, Abbau von Handelsbeschränkungen, Streitschlichtung (Sanktion = Strafzölle; wirken für große Länder stärker)
  • 164 Mitglieder (2018); Konsensprinzip, jedes Land eine Stimme
  • Prinzipien: Meistbegünstigung (Vorteil für einen = für alle), Reziprozität (Gegenseitigkeit), Nichtdiskriminierung (Inländerbehandlung)
  • Doha-Runde seit 2005 stockt; NGOs fordern soziale und ökologische Mindeststandards
  • Bilaterale Abkommen (CETA, TTIP) widersprechen der Gleichbehandlung; TTIP-Kritik: geheim, Unternehmensinteressen, Schiedsgerichte, Souveränitätsverlust, „Chlorhähnchen“
IWF (1944/45, Washington)
  • Ziel: stabile Weltwährungsordnung; Kredite bei Zahlungsbilanzproblemen, verhindert Staatspleiten
  • Devisenpool: Mitglieder zahlen Quote; Reservetranche jederzeit; weitere Tranchen à 25 % nur mit Auflagen (Konditionalität)
  • Strukturanpassungsprogramme: Staatsausgaben kürzen, Privatisierung, Subventionsabbau, Deregulierung, Abwertung
  • Kritik (Stiglitz): neoliberale Agenda, Sparprogramme verschärfen Krisen, Stimmrecht nach Kapitalanteil (Reform 2010 zugunsten China, Indien)
  • Sonderziehungsrechte (1967): Kunstwährung aus Dollar, Euro, Yen, Pfund, seit 2016 Renminbi
Weltbank (1945/46, Washington)
  • „Our Dream is a World Free of Poverty“; anfangs Wiederaufbau Europas, heute Entwicklungsländer
  • langfristige Darlehen (15–20 Jahre), Mikrokredite, technische Hilfe, Bildung, Infrastruktur, Korruptionsprävention, Gesundheit (HIV)
  • Weltbankgruppe: IBRD, IDA (1960, zinslose Kredite für ärmste Länder), IFC (1956, private Unternehmen), MIGA (1988), ICSID (1966)
  • Kritik: Auflagen, ökologisch/sozial bedenkliche Großprojekte; Wandel zur Armutsbekämpfung
Weitere Gremien
  • G7 (seit 1975; D, F, GB, IT, JP, CA, USA), G8 mit Russland 1998–2014
  • G20 (seit 1999, Gipfel seit Finanzkrise 2009): über 90 % der Weltwirtschaftsleistung, 2/3 der Weltbevölkerung
  • OECD (Industrieländer, Analysen und Empfehlungen), BIZ in Basel (Zentralbanken, Basler Vereinbarungen), Financial Stability Board (2009)